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Vereinsgeschichte

Eine Vereinsgeschichte von 80 Jahren kurzweilig und interessant zusammenzufassen, ist gar nicht so einfach. Soll man nun kleine Geschichtchen erzählen oder nüchterne Daten aneinanderreihen? Berichtet man nur über Höhepunkte oder auch über den musikalischen Alltag? Was bringt die Mitspieler dazu, einen großen Teil ihrer Freizeit der AKKORDIA zu widmen?

Ein Leitmotiv stellt sich als Hauptthema heraus: MUSIK MACHT FREUDE!

Das wusste auch der Akkordeonlehrer Willy Schickgramm, der am 26.09.1935 die AKKORDIA in der südlichen Friedrichstadt (Gegend um das Hallesche Tor) gründete und mit 12 Spielern den Übungsbetrieb aufnahm. Willy Schickgramm hat uns, bei strengem Unterricht, die Freude am Musizieren vorgelebt und vererbt: wir sind stolz auf ihn!

Willy Schickgramm sen.
Willy Schickgramm sen.

Im Jahre 1935 siedelte die AKKORDIA mit Willy Schickgramm als Dirigenten nach Charlottenburg über und vereinigte sich dort mit dem "Erster Charlottenburger Handharmonika Club 1929". Der Vorsitzende des Handharmonika Clubs Rudolf Lembke wurde damals Vorsitzender der "neuen" AKKORDIA und hatte dieses Amt bis in die 1960er Jahre inne. Während dieser Zeit hat er den Verein entscheidend geprägt: er organisierte Konzerte, Veranstaltungen und Feste, hat in der schlechten Zeit nach dem Krieg einen Übungsraum besorgt und dazu sogar noch die nötigen Kohlen zum Heizen. Er knüpfte auch Kontakte zu Vereinen in Westdeutschland, die dann später zu gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Konzerten führten. Ihm war es auch zu verdanken, daß die AKKORDIA an Wertungsspielen teilnahm. Als "Seele des Vereins" bleibt er uns in Erinnerung.

Natürlich braucht man außer der Lust zum Musizieren auch ein Instrument und Noten. Die ersten Akkordeons der AKKORDIA-Spieler waren 48- bis 60-bässige Instrumente (ganz genau wissen wir es nicht, da die Aufzeichnungen im Krieg verloren gingen), und es wurde mit Gitarre und Streichbass gespielt. Ferner waren neben Akkordeons auch diatonische Harmonikas (Bariton-Instrumente) besetzt.

Noten für Akkordeonorchester gab es wenig, daher wurden auch Arrangements für Mandolinenorchester verwendet. Willy Schickgramm stellte auch eine ganze Reihe von Potpourris und Melodienfolgen aus Werken klassischer Komponisten zusammen. Darüber hinaus komponierte Willy Schickgramm, schrieb alle Einzelstimmen und dirigierte sein Orchester. Auch die damals noch brandneue Originalmusik von Friedrich Haag, Hugo Herrmann und anderen gehörte bereits in den dreißiger Jahren zum Repertoire des Orchesters. Für das breite Publikum war das Akkordeon zunächst nur ein "Schifferklavier" oder ein "Tango"-Instrument. Mehrstimmige Musik für Akkordeonorchester war etwas völlig Neues und Ungewohntes.

Schon seit diesen ersten Jahren der AKKORDIA war man stolz darauf, öffentliche Konzerte zu geben und diese durch Solodarbietungen zu beleben. Bereits in den Jahren 1946 bis 1948 hat das Orchester beim Berliner Rundfunk (damals noch in der Masurenallee) bei der damals sehr beliebten Sendung am Sonntag Mittag "Es singt und klingt zur Sommerzeit" live mitgewirkt. Außerdem wurden mehrere Aufnahmen beim Rundfunk eingespielt. Einen besonderen Höhepunkt gab es 1948. Da Deutschland die Teilnahme an den Olympischen Spielen verwehrt wurde, veranstaltete man im Olympia-Stadion ein Jugensportfest. Im Rahmen der Eröffnungsfeier im Olympia-Stadion spielte die Akkordeonspielgemeinschaft Charlottenburg. Inzwischen sind öffentliche Konzerte eine Tradition, die wir gerne pflegen.

 

Orchester
Orchester

Ein Akkordeonorchester braucht auch eine gesellschaftliche Führung, eine Vereinsleitung. Selbst um eine kleine Gruppe von Menschen zum gemeinsamen Handeln zu bringen, sind Spielregeln erforderlich, eine Vereinssatzung. Schließlich ist dann noch ein kleiner Schritt zu tun, nämlich die Mitgliedschaft in einem Dachverband, dem Deutschen Harmonika Verband (DHV). Klingt sehr einfach, oder?

Wussten Sie, daß bei Kriegsende alle deutschen Vereine (also auch die AKKORDIA) auf Befehl der Alliierten aufgelöst wurden? Doch bereits im Sommer 1945 trafen sich in Neukölln unter Leitung von Willy Schickgramm wieder einige Mitglieder und bildeten eine Akkordeonspielgemeinschaft. Bald kamen weitere Vereinsmitglieder und auch Neuköllner Akkordeonspieler dazu. Da der Übungsraum zu klein wurde und die Verkehrsverbindung für die Charlottenburger nicht besonders günstig war, entschied man sich, die Gruppe zu teilen. Beide Akkordeonspielgemeinschaften, Neuköllner wie Charlottenburger, wurden weiterhin von Willy Schickgramm geleitet.

Wussten Sie, daß in den Nachkriegsjahren für jedes Konzert eine Lizenz der Alliierten Kommandantur benötigt wurde?

Zu jedem Dirigenten ist aus Sicht des Publikums und der Orchestermitglieder Positives als auch Kritisches zu sagen. Neben Willy Schickgramm verdient es jedoch Günter Kräutlein besonders erwähnt zu werden. Er hat wesentlich zur musikalischen Bereicherung beigetragen - mit modernen Arrangements, der Einführung von Schlagzeug und als besondere Erfolge: Pokale bei Wertungsspielen.

Dem Trend der Zeit folgend hat uns Horst W. Fröhlich weiter an originale Akkordeonmusik herangeführt, ohne die ein Orchester heute nicht mehr bestehen kann, schon gar nicht bei Wertungsspielen, dem Wettbewerb mit anderen Spielgruppen.

Neben dem Dirigenten gibt es auch unauffällige Helfer, die wesentlich zum musikalischen Erfolg beitragen: die Stimmführer. Das sind Spieler, die dafür sorgen, daß in Einzelproben falsche Töne ausgemerzt werden, das richtige Register gewählt wird, die korrekte Phrasierung eingehalten wird usw. Ohne diese den Dirigenten unterstützende Tätigkeit kämen wohl nur wenige gute Konzerte zustande.

Unsere Vereinsvorsitzenden waren und sind immer langjährig tätig und haben alle schwierigen Situationen gemeistert. Jeder hat auf seine Weise erfolgreich versucht, das Interesse am gemeinschaftlichen Musizieren zu wecken und zu erhalten.

Es spricht für die gute Stimmung, wenn innerhalb des Orchesters Freundschaften entstehen, Ehen geschlossen werden und man füreinander da ist.

Im Lexikon steht unter anderem, "eine Improvisation erlaubt es dem Solisten, seine Virtuosität zu zeigen". Wir verstehen darunter das Hervortreten einzelner Spieler, sei es, weil sie improvisieren können oder weil sie sich Soli zutrauen.

Und Gelegenheiten zum Improvisieren gab es schon immer. So arrangierten Willi-Karl Schickgramm (jun.) und Rudolf Lembke erst während einer Eisenbahnfahrt zum Konzert nach Werneuchen ihr Duo-Programm.

Und Horst Fröhlich und Günter Aram standen bereits in den 40er Jahren, damals noch in kurzen Hosen, einzeln oder gemeinsam auf der Bühne. Nach dem Krieg fanden sie sich wieder und waren seitdem beim Berliner Publikum lange ein beliebter Programmpunkt in unseren Konzerten. Mit Werken von Bach, Strauß, Gounod bis hin zur zeitgenössischen Originalmusik haben sie nicht nur die Programme bereichert, sondern auch anderen Spielern ein gutes Beispiel gegeben.

Akkordeonduo Horst Fröhlich und Günter Aram
Akkordeonduo Horst Fröhlich und Günter Aram
Spaß muss sein!
Spaß muss sein!

Doch manchmal reichen auch vier geschickte Hände nicht aus. Rudolf Lembke gründete bereits 1949 ein Quartett, das er bis 1955 selbst leitete und ab 1958 als Quintett unter Horst Fröhlich wieder neu belebte. Im Laufe der Jahre wurde es zu einem Sextett.

Auch diese Spielgruppe stellte oft neue Werke vor, meist in eigenen Bearbeitungen, denn gedruckte Literatur ist dafür auch heute noch nicht einfach zu finden. Erfreulich ist, daß in letzter Zeit neue Spieler aus dem ehemaligen Jugendorchester nach vorn drängen und sich als Solisten oder im Duo bewähren.

Der Streifzug durch 80 Jahre AKKORDIA-Vereinsgeschichte ist nun fast beendet. Aber etwas Wesentliches fehlt noch. Ein Dankeschön an alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben! Da sind die Spieler, die dem Orchester während der Kriegs- und Nachkriegsjahre die Treue gehalten haben. Da sind die Ehepartner, die dem anderen die Zeit zum Proben freigeben. Da sind die Notenwarte, die Instrumentenwarte, die Helfer. Denn ein Orchester wird nicht nur geprägt durch seine Solisten und Dirigenten, sondern in gleichem Maße auch durch die Spieler, welche nicht besonders hervortreten, aber immer für ihren Verein da sind. Auf diesem Weg ein herzlicher Dank an alle Ehemaligen und Aktiven.

In der Musik endet ein Finale meist mit einem strahlenden Dur-Akkord. Uns fällt es leicht, in diese positive Stimmung einzufallen, denn nicht zuletzt ist es unser Publikum, das uns die ganzen Jahre begleitet und unterstützt hat. Wir danken unseren Zuhörern für ihre Kritik und freuen uns über ihren Beifall. Möge uns auch die Zukunft das Motto verbinden:

MUSIK MACHT FREUDE!

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